Zertifiziertes Managementsystem - Zertifikat anzeigen

11.10.2017
Wenn die Bauchdecke bricht – neue Operationstechnik in Stollberg im Einsatz

Etwa vier Prozent der Bevölkerung erkranken in ihrem Leben einmal an einer Hernie, also an einem Bruch der Bauchdecke. Entsprechend gehören Hernien zu den häufigsten Krankheiten in der Chirurgie. Die Klinik für Viszeral- und Gefäßchirurgie operiert Nabelbrüche in Kombination mit einer Bauchwandschwäche seit 2017 mit Hilfe einer neuen OP-Methode, der ELAR-plus Technik.

Der Begriff "Hernie" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Bruch". Bei einer Hernie bricht die Bauchdecke auf und die Eingeweide treten durch die entstandene Öffnung hervor. Je länger ein solcher Bruch vorliegt, desto größer wird er. Zu Beginn sind die Beschwerden oftmals gering, verstärken sich aber zunehmend und schränken die Lebensqualität mehr und mehr ein. Unbehandelt kann eine Hernie zu bedrohlichen Folgen führen. Brüche entstehen an natürlichen Schwachstellen der Bauchwand, so zum Beispiel an der Leiste (Leistenbruch) oder an der Mittellinie der Bauchwand, wozu auch der Nabelbruch zählt.

Die Medizin entwickelt sich ständig weiter. Entsprechend wird seit 2017 eine neue Operationsmethode, die ELAR-plus Technik, in Stollberg zur Versorgung des Nabelbruchs eingesetzt. Oberarzt Dr. Gerald Bretschneider: „Die Endoscopic-Assisted Linea Alba Reconstruction plus Mesh Augmentation wurde von Prof. Köckerling aus Berlin entwickelt und legt den Schwer-punkt insbesondere auf die Re-konstruktion bzw. die Korrektur des Aus-einanderweichens der geraden Bauch-muskulatur (Rektusdiastase). Die Bauch-muskulatur wird hierbei mittig vernäht und die Bauchdecke mit einem nichtauflösbaren Polypropylennetz verstärkt, um das Risiko eines erneuten Durchbrechens der Bauchorgane durch die Bruchstelle zu reduzieren.“

Bisher wurde bei Brüchen bis zu zwei Zentimetern die Bauchwand einfach zugenäht, ansonsten wird der Bruch mit einem nichtlöslichen Kunststoffnetz geschlossen. Bei Patienten, die zusätzlich noch unter einer Bindegewebsschwäche der Bauchwand-Mittellinie leiden, ist die bisherige Technik im Nachteil, weil es nach einer erfolgten Bruch-OP in der unmittelbaren Operationsregion zu einem erneuten Bruch kommen kann, was bei der ELAR-plus Technik deutlich weniger wahrscheinlich ist.

Über einen kleinen Schnitt am Nabel wird der Bruch freigelegt, die Bindegewebsschicht bzw. Linea alba gestrafft und zur Verstärkung ein Netz entsprechend der Defektgröße eingenäht. Unter Einsatz eines Endoskops, d.h. mit einer Minikamera mit Lichtquelle, werden die Feinheiten am Videomonitor dargestellt und operiert.

Der Eingriff ist insgesamt sehr schonend, da er nur eine kleine Wunde von wenigen cm hinterlässt. Insgesamt dauert die Operation ca. zwei Stunden. Wenige Stunden nach der Operation können und sollten die Patienten wieder kurze Strecken gehen können.

Im Kreiskrankenhaus Stollberg werden jährlich eine Vielzahl an Bauchwandbrüchen aller Art – vom einfachen Leistenbruch bis zur komplexen Operation durchgeführt. Unter der Leitung von Chefarzt Dr. med. Kai Griepentrog erlangte die Klinik für Viszeral- und Gefäßchirurgie bereits schon 2014 das „DHG- Siegel Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“. Dieses Siegel wird Kliniken verliehen, welche in besonderem Maße Qualitätssicherung bei der Therapie von Bauchwandbrüchen betreiben. Alle operierten Patienten werden bspw. vom Operateur nach einem Jahr noch einmal angeschrieben bzw. bei Bedarf nochmal in die Sprechstunde bestellt, um den Heilungsprozess einzuordnen. Die Klinik bietet nach telefonischer Anmeldung immer dienstags 10:30 Uhr und mittwochs 13:00 Uhr eine Sprechstunde für die Allgemein- und Viszeralchirurgie an.

Das OP-Team während der Operation

PDF-Version

zurück